IOL-BerechnungOKULIX kann insbesondere auch für die Anpassung von Intraokularlinsen (IOL) verwendet werden 4, 5. Achsenlängen können entweder manuell eingegeben oder von Meßgeräten übernommen werden. Bisher künnen das AL100, AL2000, AL3000 und UD6000 der Firma Tomey angeschlossen werden. Weitere Schnittstellen sind in Vorbereitung. Zu beachten ist dabei, daß in OKULIX optische Längen verwendet werden, nicht akustische. Meßgeräte können Meßwerte ausgeben, die systematisch zu groß oder zu klein sind. Die mit unterschiedlichen Geräten gemessenen Werte müssen also entsprechend transformiert werden. Diese Transformation kann sowohl mittels vergleichender Messungen an Kunstaugen als auch anhand der Daten von Patientenkollektiven erfolgen, soweit hierfür neue Daten vorliegen, deren Information zur Verbesserung der Genauigkeit geeignet ist. Auch die Daten von optischen Meßgeräten (z.B. der IOLMaster, (Zeiss)) werden in diese laufende Genauigkeitsverbesserung einbezogen. IOL-DatenDas Programmpaket enthält als Datei eine Liste der meistimplantierten Linsen der führenden Hersteller. Diese Liste wird ständig erweitert und aktualisiert. Eine IOL ist in dieser Liste formal durch ihre Typbezeichnung und durch ihre Brechkraftstufe gekennzeichnet. Für die Rechnung innerhalb von OKULIX wird die IOL jedoch physikalisch beschrieben durch ihre Krümmungsradien, ihre Mittendicke und ihren Brechungsindex. Dies ist nötig, um die - im Vergleich zu allen "Formeln"- höhere Rechengenauigkeit wirklich auszunutzen, denn durch die Angabe einer (nur in Gauß’scher Optik definierten) Brechkraft allein ist der Seheindruck eines Auges mit einer solchen IOL nicht eindeutig charakterisiert. VorderkammertiefeDie postoperative Vorderkammertiefe (ACD) kann prinzipiell nicht exakt aus praeoperativen Meßwerten berechnet werden, da sie u.a. von der individuell unterschiedlichen, postoperativen Schrumpfung des Kapselsacks abhängt. Um diesen Sachverhalt dem Benutzer transparent zu machen, erfolgt (anders als in den meisten anderen IOL-Berechnungsverfahren) in OKULIX die Eingabe der ACD in einem separaten Programmzweig. Dadurch soll vor allem auch der Unterschied zwischen exakter Rechnung auf der einen und Schätzung auf der anderen Seite hervorgehoben werden. Außerdem muß unterschieden werden zwischen der mittleren ACD für einen Linsentyp und der wahrscheinlichsten ACD für ein individuelles Auge. Die mittlere ACD wurde zunächst für jeden Linsentyp aus der A-Konstante der SRK-Formeln 11 mit den numerischen Methoden in OKULIX berechnet (siehe Tabelle 11). Diese Vorgehensweise wurde gewählt, weil für die A-Konstanten eine breite Datenbasis vorliegt.Für einige IOL liegen inzwischen unabhängige laserinterferometrische Meßdaten vor, die sehr genau mit den aus den A-Konstanten berechneten Werten übereinstimmen. F¨ur die Abschätzung der wahrscheinlichsten, individuellen ACD wird, ausgehend von den genannten Mittelwerten, eine Berechnung verwendet, in die nur die Achsenlänge und die Herstellerdaten der IOL eingehen. Diese Methode hat sich in einer Untersuchung an der Univ.-Augenklinik Mainz als genauer erwiesen als andere in der Literatur beschriebene Verfahren 8. Auch die so errechnete, wahrscheinlichste ACD ist als Vorschlag aufzufassen, den der Anwender übernehmen kann, aber nicht muß. Besonders bei sehr kurzen Augen bzw. sehr hohen IOL-Brechkräften hängt das Ergebnis empfindlich von der ACD ab. Hiervon kann sich der Anwender durch Variation der eingegebenen ACD im Einzelfall überzeugen. Durch die Berechnung der mittleren ACD aus der A-Konstante ergibt sich per definitionem mit OKULIX für ein Durchschnittsauge die gleiche emmetrope IOL-Brechkraft wie mit den SRK-Formeln. Sphärische AberrationDie sphärische Aberration des menschlichen Auges führt in den meisten Fällen zu einer mit der Pupillenweite zunehmenden Myopisierung. Diese hängt unter anderem ab von der Asphärizität der Hornhaut, der Asphärizität der Intraokularlinse sowie von deren Radienverhältnis. Alle diese Effekte werden in OKULIX exakt mitberücksichtigt. Sie lassen sich am besten mit Hilfe der simulierten Landoltringe veranschaulichen. Um auf einfache Weise zumindest einen Anhaltswert für das Ausmaß dieses Effektes zu bekommen, wird die Refraktionsabweichung mit einer IOL nicht nur wie üblich paraxial, sondern zusätzlich als Wert für den besten Fokus bei einer Pupillenweite von 2.5mm angegeben. Phake IntraokularlinsenAuch phake IOL können mit OKULIX angepaßt werden. Vorausgesetzt wird dabei neben Achsenlänge und Hornhautradien die Kenntnis der praeoperativen (phaken) Vorderkammertiefe und des praeoperativen Refraktionsfehlers. Mit diesen Werten werden zunächst die Krümmungsradien der eigenen Linse berechnet. Für diese Linse wird dabei ein Brechungsindex von 1.42 angenommen. Dieser Brechungsindex liegt im oberen physiologischen Bereich. Er wurde aus Sicherheitsgründen gewählt, damit die berechneten Krümmungsradien der Linse eher über- als unterschätzt werden. Dadurch wird auch der für die Implantation zur Verfügung stehende Platz eher unterals überschätzt. Auf die anschließend zu berechnende Brechkraft der IOL wirken sich die gemachten Annahmen praktisch nicht aus. Die Dicke der Linse wird gemessen. Bei fehlenden Meßwerten wird 3.0mm angenommen. Ebenso wie beim Brechungsindex ist der Einfluß einer Dickenvariation im physiologischen Bereich auf die Brechkraft der IOL vernachlässigbar. Die von OKULIX vorgeschlagene IOL wird in einer maßstabgetreuen Skizze des vorderen Augenabschnittes dargestellt. Der Anwender kann die Vorderkammertiefe der IOL variieren, wodurch sich auch die Brechkraftstufe der vorgeschlagenen IOL ändern kann. Sollen Vorderkammerlinsen für aphake Augen berechnet werden, ist die entsprechende Markierung auszuwählen. Außerdem besteht die Möglichkeit, die IOL so zu drehen, daß Vorder- und Rückseite vertauscht werden. Hierzu ist die Markierung IOL revers zu aktivieren. Torische IntraokularlinsenSogenannte "torische IOL" zur Korrektur des Hornhautastigmatismus können in gleicher Weise wie rotationssymmetrische IOL mit OKULIX ausgew ählt werden. Am einfachsten und sichersten geschieht dies auf der Basis der Topographie. Die auf der IOL angebrachte Markierung des Meridians mit der kleinsten Brechkraft muß bei der Implantation der IOL mit dem in der OKULIX-Topographie rot dargestellten stärkst brechenden Meridian der Hornhaut zur Deckung gebracht werden. Bei phaken, torischen IOL kann auch die subjektive oder objektive Refraktion eingegeben werden, wenn ein Astigmatismus der natürlichen Linse mitkorrigiert werden soll. Da dieser nicht konstant ist, wird davon aber eher abgeraten. Implantationsfehler bei torischen IOL können im Zweig Netzhautbild, Bildparameter quantifiziert werden, wenn die Zylinderstärke des Vorsatzglases nicht null ist. Berechnet wird dabei der Winkel, um den die IOL rotiert werden sollte und, unter der Annahme dieser optimalen IOL-Rotation, der astigmatische Brechkraftfehler der IOL in der IOL-Ebene, entsprechend der Vektorsumme aus Hornhautzylinder und Zylinderstärke des Vorsatzglases in der Hornhautebene. Die Sphäre des Vorsatzglases spielt dabei keine Rolle, wohl aber der Winkel. Man kann diese Funktion leicht testen, indem man bei der Auswahl der IOL den vorgeschlagenen Winkel für den flachsten IOL Meridian (= steilster Hornhautmeridian) durch einen anderen, falschen Winkel ersetzt. Dann wird bei Aktivierung der Funktion bestes Korrekturglas aus dessen Zylinderstärke und -Winkel der Differenzwinkel berechnet, um den die vorige Eingabe des Winkels für den flachsten IOL-Meridian falsch war, und um den die IOL daher rotiert werden sollte. Rundungsfehler können zu kleinen Abweichungen führen, da die Brechkraftwerte der Korrekturgläser bei der Option bestes Korrekturglas auf ganzzahlige Vielfache von 0.25dpt gerundet werden.
Tabelle 11: IOL-Typen
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